Zur aktuellen Spendenbereitschaft in Sachen Pakistan

Posted on 18 August , 2010

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Seit Tagen berichten die Medien über die Flutkatastrophe in Pakistan. In vielen Berichten wird eine „schwache“ Spendenbereitschaft angesprochen.

Imagefoto Pakistan von Flickr-User xitus
(Indus-Fluss in Pakistan. Imagefoto von Flickr-User xitus)

Das könne, so wird dann regelmässig vermutet, an der hiesigen Ferienzeit liegen, die Präsidentin der Welthungerhilfe sieht laut eines Artikels auf Spiegel-Online eine Ursache in der Fremdartigkeit des Landes.

Ich möchte andere Gründe in die Diskussion werfen.

– Trotz massiver Spenden sehen wir, dass in Haiti die Not bisher nicht wirksam beseitigt wurde. Könnte darin die Ursache für ein Misstrauen in den Sinn- und Zweck deutscher Spenden entstanden sein?

– Am Wochenende hat unsere Bundesregierung die Mittel für Pakistan von 10 auf 15 € Mio aufgestockt. Währenddessen fließt mehr als das 200fache in jedem Jahr für militärische Mittel in das Nachbarland Afghanistan. Vielleicht kommt der ein- oder andere „Durchschnittsbürger“ mit den Relationen nicht mehr klar, und verweigert sich der Spendenbereitschaft?

– Entgegen intensivster Diskussionen und Ankündigungen zum Klimawandel haben sich „unsere“ Politiker (zuletzt in Kopenhagen) nicht auf Klimaschützende Maßnahmen geeinigt. Da kann der Eindruck entstehen, die Politik ziehe so etwas wie in Pakistan einfach ins Kalkül und verlässt sich für Notfälle mit Naturkatastrophen auf die Spendenbereitschaft. Könnte sich da nicht eine Trotzreaktion bei den Menschen im Lande entwickelt haben? Nicht spenden aus Trotz?

– Derzeit diskutieren wir auch rückläufige Realeinkünfte in Deutschland. Andererseits eine hohes Spendenvolumen in Sachen Haiti, außerdem einen wachsenden Bereich an „prekär“- Beschäftigten – Kann es nicht einfach sein, dass spendenwillige Menschen einfach kein Geld mehr „über“ haben?

All dies sind Gründe, die in der Diskussion um die aktuelle Spendenbereitschaft einfliessen sollten, gerade, wenn sie teilweise zynisch anmuten.

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