Alarmierend: Bundesregierung misstraut der Ausbildung im deutschen Handwerk

Posted on 28 Dezember , 2009

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Heute, am 28.12. tritt die Europäische Dienstleistungslinie in Kraft. Unternehmen aus den Mitgliedsstaaten der EU dürfen nun grenzüberschreitend Aufträge annehmen und Arbeiten ausführen. ...und schreibt Euch die Gewerbefreiheit hinter Eure Löffel! So wird also ab heute ein Bauunternehmen aus den Niederlanden Häuser in Deutschland bauen dürfen, ohne in die deutsche Handwerksrolle eingetragen zu sein – warum auch, schließlich macht es dass in Holland schon seit vielen Jahren erfolgreich? Ein tschechischer Bäcker kann jetzt auch ohne große bürokratische Hürden Backwaren nach Deutschland verkaufen. Französische Orthopädietechniker dürfen nun ohne weiteres auch in Deutschland den Kunden hier Prothesen liefern und anpassen, die sie selbst hergestellt haben.

„Komisch, ich wusste gar nicht, dass das bisher verboten war“ meinte eine Freundin zu mir, als ich mich mit Ihr an Weihnachten drüber unterhielt. Stimmt „irgendwie“ konnten ausländische Firmen hier immer schon arbeiten. Neu ist ab heute, dass es jetzt ohne große Probleme gehen soll. Alle EU-Staaten sind ab heute verpflichtet einen „Einheitlichen Ansprechpartner“ (EAP) vor zuhalten. Diese Ansprechpartner dienen nun den Betrieben aus dem EU Ausland mit Rat, Tat und Unterstützung bei dem Anliegen in Deutschland arbeiten zu dürfen.

Bei uns hat man die Zuständigkeiten über die Länder geregelt und so ist nach guter alter deutscher Tradition der Ansprechpartner in einem Bundesland bei den Kommunen und in einem andern bei den Kammern angesiedelt. Die Umsetzung der Dienstleistungsrichtlinie (DLR) wird in den nächsten Wochen sicher noch einiges an Problemen aufwirbeln, letztlich beginnt die Übungsphase ja erst jetzt, mit dem laufenden Betrieb Im Zentrum steht dabei der Computer. Software und Vernetzung sollen hier den Dienstleistern aus dem Ausland – aber in den allermeisten Fällen auch den Unternehmen vor Ort die Bürokratie reduzieren helfen. Ob hier den Ansprüchen an den Datenschutz in aller Form genüge getan wurde – auch dass wird sich erst in der Zukunft erweisen.

Die heutigen Regierungsparteien haben bei der Verabschiedung des Gesetzeswerkes bewusst die Diskriminierung der eigenen Bevölkerung betrieben. So darf ein deutscher Handwerksgeselle ohne Meistertitel immer noch keinen Handwerksbetrieb eröffnen, und selbst wenn er etwa in Belgien oder Polen eine Firma gründet, so darf er keine Aufträge in Deutschland ausführen, das haben FDP und CDU ausdrücklich ins Gesetz geschrieben. Regelmäßig werden meisterfreie Existenzen in Deutschland zunichte gemacht und die Menschen gegängelt, etwa hier in Göttingen. Und hier weitere Informationen
VERFOLGUNG? – Ja! Wer sich in Deutschland meisterfrei im Handwerk selbständig macht, riskiert Betriebsuntersagung, Bußgeldverfahren, Hausdurchsuchung, Diffamierung bei Kunden und Nachbarn,….

Ab sofort ist diese bewusste Diskriminierung Deutscher Handwerker durch die eigenen Regierung sichtbar. Ob gelernt, oder ungelernt, ob der Sprache mächtig oder nicht, ob in Kenntnis der hier herrschenden Normen oder nicht – egal, ab heute darf Europa hier arbeiten. Das ist zu begrüßen, denn damit fließt Vielfalt in den Markt. Verbraucher werden in den kommenden Jahren von den Traditionen des Handwerks in den Nachbarstaaten profitieren können.

Allein unverständlich bleibt, dass die Wirtschaftspolitiker unserer Tage die gute deutsche Ausbildung weiterhin missachten. Der Eindruck entsteht, dass die Bundes-Parlamentarier der Nicht-Ausbildung von Handwerkern aus dem Ausland mehr Vertrauen schenken, als der deutsche Zimmerer-, Fleischer- und Augenoptikerausbildung.

Was ist das für eine Politik, die dem eigenen Volk auf solche Weise ihr Misstrauen ausspricht?

Folgerichtig unterstützt das etablierte deutsche Handwerk diesen Eindruck ab Januar 2010, dann startet eine mit 50 Millionen Euro ausgelobte und über 5 Jahre angesetzte Imagekampagne.
Damit versucht das etablierte deutsche Handwerk Versäumtes aufzuholen.

Dazu an dieser Stelle demnächst mehr. Vorweg drei Fragen:
– Welche Ursachen machen eine Imagekampagne notwendig?
– Wie macht man einem Schulabgänger eine Karriere im Handwerk schmackhaft vor dem Hintergrund, das ungelernte spanische Tischler hier dürfen, was der Schüler nach einer dreijährigen Ausbildung zum Tischler nicht darf?
– Was wiegt Ihnen als Kunde mehr: Eine hippe Imagekampagne, oder ihren Bedürfnissen entsprechend arbeitende und sich auf seine Kernkompetenzen fokussierte Unternehmen?

to be continued

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Posted in: Handwerk, Wirtschaft